Misteltherapie


Mistelextrakte wurden 1921 von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, in die Behandlung von Tumorerkrankungen eingeführt, basierend auf einer geisteswissenschaftlich-anthroposophischen Begründung. Inzwischen wurden die Inhaltstoffe der Mistelextrakte identifizert. Die heute für die Therapie eingesetzten Stoffe sind die hochmolekularen Inhaltsstoffe, die Lektine, die Polysaccharide und die Viscotoxine. Hohe Dosen von Misteleextrakten haben eine unspezifische toxische Wirkung sowohl auf Tumorzellen als auch auf Normalzellen. Dafür sind die Lektine und die Viscotoxine verantwortlich.
Mistellektin I (ML-I) wird derzeit als der Hauptwirkstoff angesehen. Für die Therapie von Tumorpatienten wird nicht die zytotoxische, sondern die immunmodulierende Dosierung, die viel niedriger liegt, verwendet. Für Mistellektin I wurde als optimales Dosisfenster 0,5-1,5 ng/Kg ermittelt.

Die immunmodulierende Wirkung von Mistelextrakten bewirkt eine Aktivierung von weissen Blutkörperchen (Granulozyten) und NK-Zellen, die dadurch befähigt werden, Tumorzellen anzugreifen. Zusätzlich werden noch andere Mechanismen aktiviert, die den Angriff auf Tumorzellen verstärken. Klinische Studien mit lektinstandardisierten Mistelextrakten haben gezeigt, dass die Nebenwirkungen von Chemotherapie signifikant geringer waren und dass die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert wurde. Es wurde ferner gezeigt, dass es während der Misteltherapie zur Ausschüttung von Endorphinen kommt, Substanzen, die die gleiche Wirkung haben wie Morphium und die zu einer Euphorisierung der Patienten führen.

In klinischen Studien der letzten Jahre fand man eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Besserung von Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie. Eine Studie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren konnte keine Verbesserung durch Misteltherapie nachweisen. Eine kleine Studie bei Patienten mit Hirntumoren fand sowohl eine Verbesserung der Lebensqualität als auch ein besseres Überleben der Patienten. In einer retrolektiven Kohortenstudie an 689 Patienten mit Brustkrebs fanden sich durch begleitende Misteltherapie zur Chemo-Radiotherapie nach vorangegangener Operation eine signifikante Verbesserung von Übelkeit, Erbrechen sowie Müdigkeit, Depressionen und Reizbarkeit. Das Rückfallrisiko war in der Mistelgruppe in den ersten 9 Monaten um 70% gesenkt. Die Zeit bis zum ersten Rückfall verlängerte sich um 30 Wochen. Ein längeres Gesamtüberleben konnte nicht festgestellt werden. Insgesamt ist die Studie aber ein Beispiel dafür, dass es gelingt, durch supportive, komplementäre Therapien zusätzlich zur onkologischen Therapie neue und bessere Therapiestandards zu entwickeln.

  • Selen
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